Angebot schreiben als Handwerker: von der Maßkette zum Preis
Die Reihenfolge, in der ein Angebot abends wirklich entsteht: Aufmaß, Positionen mit Menge und Einheit, Zuschlag je Kostenart — und die Zeile, die deine Bindung beendet.
Zirko RedaktionVeröffentlicht: 6 Min. Lesezeit

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Der Ordner mit den Aufmaßzetteln liegt auf dem Tisch, die Baustelle war heute Vormittag, und das Angebot soll raus. Die Reihenfolge, in der du jetzt vorgehst, entscheidet darüber, ob du in sechs Wochen abrechnest oder nachverhandelst.
Erst das Aufmaß, dann der erste Satz
Ein Angebot fängt nicht bei der Beschreibung an, sondern bei der Menge. Wandfläche abzüglich Fenster- und Türöffnungen, laufende Meter Sockelleiste, Stück Schalter und Dosen, Kubikmeter Aushub — jede Position braucht eine Zahl, die jemand nachrechnen kann.
Der teuerste Fehler an dieser Stelle ist die fertige Zahl ohne Herleitung. In der Position steht 47,3 Quadratmeter, und ein halbes Jahr später weiß niemand mehr, ob die zwei Dachflächenfenster schon abgezogen waren. Schreib deshalb die Rechnung selbst hin: 100+(5,1*4)/2 statt einer Endsumme. In Zirko bleibt genau diese Maßkette in der Aufmaßzeile stehen, wird zur Menge der Position summiert und beim Speichern auf dem Server noch einmal nachgerechnet — eine vom Gerät geschickte Menge wird nicht übernommen.
Positionen: Menge, Einheit, Leistungsbeschreibung
Gliedere nach Bauabschnitt oder Gewerk, nicht nach Reihenfolge des Einfallens. Ein Gliederungsbaum mit Titeln, unter denen die Positionen hängen, ist das, was dein Kunde später beim Vergleich mit dem Mitbewerber braucht — und was du beim Nachtrag wiederfindest.
Jede Position trägt Menge, Einheit und eine Beschreibung, die den Umfang begrenzt. „Innenwände streichen“ ist keine Leistungsbeschreibung, „Innenwände zweimal deckend streichen, Dispersion matt, Untergrund vorhanden und tragfähig“ ist eine. Alles, was du nicht hineinschreibst, wird im Zweifel von dir erwartet.
Was du absehen kannst, aber nicht versprechen willst, gehört als Eventualposition aufs Blatt — mit Preis, aber ohne Eingang in die Summe. Das ist billiger als ein Nachtrag, über den später verhandelt wird. Wenn du stattdessen nur eine Schätzung abgeben willst, ist das kein Angebot mehr, sondern ein Kostenvoranschlag, und dessen 15-Prozent-Grenze steht in keinem Gesetz.
Der Preis kommt aus Kostenarten, nicht aus dem Bauchgefühl
Rechne von unten: Lohn, Material, Geräte, Fremdleistung, Sonstiges. Je Kostenart ein eigener Zuschlag — Material verträgt einen anderen als Nachunternehmerleistung, und wer beides mit demselben Prozentsatz beaufschlagt, verschenkt an der einen Stelle, was er an der anderen zu viel verlangt.
Zirko rechnet in beide Richtungen: aus Einkauf und Zuschlag den Verkaufspreis, und aus einem gesetzten Verkaufspreis den Zuschlag zurück. Je Position und je Beleg stehen Deckungsbeitrag und Quote — auch dann, wenn sie negativ werden. Lohnminuten bewertest du über Lohngruppen; ob eine Position mit Festpreis oder nach Aufwand läuft, entscheidest du hier und nicht auf der Baustelle. Wie du Regiestunden nachweist, damit sie auch bezahlt werden, ist ein eigenes Thema — die Vereinbarung dazu gehört aber schon ins Angebot.
Was unter der Summe passiert
Nachlass, Skonto, Sicherheitseinbehalt, Bauumlage, Zahlungsziel: Das sind fünf Zeilen unter der Positionstabelle, und jede kostet Geld. Ein Nachlass von drei Prozent geht vollständig zulasten deiner Marge, nicht des Umsatzes — bei zwölf Prozent Deckungsbeitrag ist ein Viertel davon weg.
Zwei Dinge, die hier oft fehlen: Steht bei einem Einheitspreisvertrag nach VOB/B, dass Mengenabweichungen bis 10 v. H. den vertraglichen Einheitspreis unberührt lassen und darüber hinaus auf Verlangen neu zu vereinbaren ist (§ 2 Abs. 3 VOB/B)? Und ist klar, ob dein Kunde die Umsatzsteuer selbst schuldet? Bei Bauleistungen an einen anderen Bauleistenden greift der Übergang der Steuerschuld nach § 13b UStG — dann steht auf dem Angebot netto und ein Hinweis, sonst nichts.
Die Zeile, die deine Bindung beendet
Ohne Befristung bist du an dein Angebot gebunden, bis du mit einer Antwort nicht mehr rechnen musst (§ 147 Abs. 2, § 145 BGB). Wie lange das ist, entscheidet im Streitfall nicht dein Betrieb. Eine ausdrückliche Annahmefrist nach § 148 BGB dagegen beendet die Bindung an einem Tag, den du selbst gesetzt hast — bei Materialpreisen, die sich bewegen, ist das die wichtigste Zeile des Blattes.
Danach geht es weiter: Aus dem Angebot wird die Auftragsbestätigung, daraus der Lieferschein, daraus die Rechnung, und die Positionen wandern mit. Eine Übersicht, wie Zirko das für einzelne Gewerke abbildet, steht auf der Seite für Handwerkersoftware für Malerbetriebe; wie es am Ende abgerechnet wird, in Abschlagsrechnung und Schlussrechnung.
Einen Status „angenommen“ oder „abgelehnt“ führen wir bewusst nicht — Zirko leitet nur ab, dass ein Angebot unbeantwortet ist, und kann danach von selbst nachfassen.
Häufige Fragen
Wie lange bin ich an ein Angebot als Handwerker gebunden?
Ohne Befristung so lange, bis du mit einer Antwort nicht mehr rechnen musst (§ 147 Abs. 2, § 145 BGB) — wie lange das ist, entscheidet im Streitfall nicht dein Betrieb. Eine ausdrückliche Annahmefrist nach § 148 BGB beendet die Bindung an einem Tag, den du selbst gesetzt hast. Bei Materialpreisen, die sich bewegen, ist das die wichtigste Zeile des Blattes.
Was gehört in eine Angebotsposition?
Menge, Einheit und eine Leistungsbeschreibung, die den Umfang begrenzt. „Innenwände streichen“ ist keine Leistungsbeschreibung, „Innenwände zweimal deckend streichen, Dispersion matt, Untergrund vorhanden und tragfähig“ ist eine. Alles, was du nicht hineinschreibst, wird im Zweifel von dir erwartet.
Wie kalkuliere ich den Preis für ein Handwerkerangebot?
Von unten nach oben über fünf Kostenarten: Lohn, Material, Geräte, Fremdleistung, Sonstiges — und je Kostenart ein eigener Zuschlag. Material verträgt einen anderen Zuschlag als Nachunternehmerleistung; wer beides mit demselben Prozentsatz beaufschlagt, verschenkt an der einen Stelle, was er an der anderen zu viel verlangt.
Was passiert bei einem Einheitspreisvertrag nach VOB/B, wenn die Menge abweicht?
Mengenabweichungen bis 10 v. H. lassen den vertraglichen Einheitspreis unberührt; darüber hinaus ist auf Verlangen ein neuer Preis zu vereinbaren (§ 2 Abs. 3 VOB/B). Steht dieser Punkt nicht im Angebot, wird er nachverhandelt, wenn das Aufmaß am Ende anders ausfällt.
Was ist eine Eventualposition im Angebot?
Eine Position mit Preis, die nicht in die Angebotssumme eingeht — für alles, was du absehen kannst, aber nicht versprechen willst. Sie ist billiger als ein Nachtrag, über den später verhandelt wird, weil der Preis schon vor Auftragserteilung feststeht.
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Quellen
- § 145 BGB — Bindung an den Antrag (geprüft: 21. September 2026)
- § 147 BGB — Annahmefrist, Absatz 2 für den abwesenden Antragsempfänger (geprüft: 21. September 2026)
- § 148 BGB — Bestimmung einer Annahmefrist (geprüft: 21. September 2026)
- § 2 VOB/B — Vergütung, Mengenabweichung um 10 v. H. (geprüft: 21. September 2026)