Offerte erstellen: Ausmass, Regie und Pauschale sauber trennen
Wie eine Schweizer Offerte entsteht, die später nicht gegen dich arbeitet: Ausmass vor der ersten Zeile, Preisart bewusst wählen, 8,1 Prozent MWST und ein Gültigkeitsdatum.
Zirko RedaktionVeröffentlicht: 6 Min. Lesezeit

Inhalt
Die Besichtigung war am Morgen, der Kunde will bis Ende Woche eine Zahl, und die Offerte soll heute Abend fertig werden. Drei Entscheidungen fallen dabei, und alle drei wirken bis in die Schlussrechnung: das Ausmass, die Preisart und die Gültigkeit.
Vor der ersten Zeile steht das Ausmass
Eine Offerte beginnt bei der Menge, nicht bei der Beschreibung. Wandfläche abzüglich Öffnungen, Laufmeter Sockel, Stück Apparate, Kubikmeter Aushub — und zwar nachvollziehbar. Schreib die Rechnung mit, aus der die Zahl entstanden ist, statt nur das Ergebnis: 100+(5,1*4)/2 sagt in einem Jahr noch, wie die Menge zustande kam.
In Zirko bleibt diese Kette in der Ausmasszeile der Position stehen, wird zur Menge summiert und beim Speichern auf dem Server ein zweites Mal gerechnet. Bei einem Pauschalauftrag ist die Vorarbeit besonders wenig verzichtbar: Wer sich verschätzt, zahlt drauf — das ist keine Härte des Gesetzes, sondern die Natur des festen Preises.
Pauschal, Regie oder ungefährer Ansatz
Das OR kennt drei Wege, und sie gehören auseinandergehalten:
- Fester Übernahmspreis. Du bist an den Preis gebunden, auch wenn die Arbeit mehr Aufwand macht (Art. 373 OR). Mehrarbeit gibt es nur unter engen Voraussetzungen.
- Arbeit nach Aufwand. Ist der Preis nicht oder nur ungefähr bestimmt, wird die Vergütung nach dem Wert der Arbeit und den Aufwendungen festgesetzt (Art. 374 OR). Damit darüber niemand streitet, gehört der Stundenansatz trotzdem auf die Offerte.
- Kostenvoranschlag. Wird er unverhältnismässig überschritten, hat der Besteller ein Rücktrittsrecht; bei einem Bau auf seinem Grundstück kann er stattdessen eine Herabsetzung verlangen (Art. 375 OR).
Wer „pauschal“ schreibt und später Regiestunden nachschiebt, landet in Art. 373. Wer „ca.“ schreibt und 40 Prozent mehr verlangt, in Art. 375. Die Einzelheiten stehen in Pauschalpreis, Regie oder Kostenvoranschlag im Werkvertrag.
Wenn mit dem Bauherrn die SIA 118 vereinbart ist, gelten daneben eigene Regeln für Ausmass, Nachträge und Rückbehalt. Sie ist kein Gesetz, sondern wird Vertragsinhalt — was das praktisch heisst, steht in SIA 118 gilt nur, wenn sie im Vertrag steht.
Der Preis kommt aus Kostenarten
Rechne von unten nach oben: Lohn, Material, Geräte, Fremdleistung, Sonstiges — je Kostenart ein eigener Zuschlag. Material verträgt einen anderen als die Leistung eines Subunternehmers, und wer beides gleich beaufschlagt, verschenkt an der einen Stelle, was er an der anderen zu viel verlangt.
Zirko rechnet in beide Richtungen: aus Einkauf und Zuschlag den Verkaufspreis und aus einem gesetzten Verkaufspreis den Zuschlag zurück. Deckungsbeitrag und Quote stehen je Position und je Beleg — auch dann, wenn ein Nachlass sie negativ macht.
Die MWST-Zeile
Seit dem 1. Januar 2024 gelten 8,1 Prozent Normalsatz, 2,6 Prozent reduziert und 3,8 Prozent Sondersatz für Beherbergung (Art. 25 MWSTG). Eine Offertvorlage, die seit 2023 nicht angefasst wurde, rechnet noch mit 7,7 Prozent — die Summe geht auf, und die vier Zehntel fehlen dir trotzdem. Zirko führt beide Sätze nebeneinander, die alten ausdrücklich als historisch, damit sie für eine spätere Korrektur greifbar bleiben, ohne bei einem neuen Beleg vorgeschlagen zu werden.
Liegt dein Umsatz unter 100'000 Franken, bist du von der Steuerpflicht befreit und darfst dann keine MWST ausweisen (Art. 10 MWSTG) — eine ausgewiesene Steuer schuldest du nämlich, auch wenn du sie gar nicht hättest erheben dürfen. Auf der Offerte heisst das: Nettosumme, darunter die Bruttosumme, damit dein Kunde sieht, worüber er entscheidet.
Die Zeile, die deine Bindung beendet
Ohne Frist bist du gebunden, bis du eine rechtzeitig abgesandte Antwort erwarten darfst — mit Frist bis zu deren Ablauf. Ein Gültigkeitsdatum ist deshalb die billigste Zeile des ganzen Dokuments; die Rechtsgrundlagen dazu stehen in Offerte schreiben: was drauf gehört und wie lange sie bindet.
Sagt der Kunde zu, wandern die Positionen weiter: aus der Offerte wird die Auftragsbestätigung, daraus die Akontorechnung, für die ohne Abrede kein Anspruch besteht, daraus die Schlussrechnung. Wie das in einem Maler- und Gipserbetrieb aussieht, zeigt die Seite für Software für Maler- und Gipserbetriebe.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer auf einer Schweizer Offerte?
Seit dem 1. Januar 2024 gelten 8,1 Prozent Normalsatz, 2,6 Prozent reduzierter Satz und 3,8 Prozent Sondersatz für Beherbergung (Art. 25 MWSTG). Eine Offertvorlage, die seit 2023 nicht angefasst wurde, rechnet noch mit 7,7 Prozent — die Summe geht auf, und die vier Zehntel fehlen dir trotzdem.
Muss ich als Handwerker mit weniger als 100'000 Franken Umsatz MWST ausweisen?
Nein, und du darfst es auch nicht. Liegt dein Umsatz unter 100'000 Franken, bist du von der Steuerpflicht befreit (Art. 10 MWSTG) — eine ausgewiesene Steuer schuldest du nämlich, auch wenn du sie gar nicht hättest erheben dürfen.
Was ist der Unterschied zwischen festem Preis, Arbeit nach Aufwand und Kostenvoranschlag?
Beim festen Übernahmspreis bist du an den Preis gebunden, auch wenn die Arbeit mehr Aufwand macht (Art. 373 OR). Ist der Preis nicht oder nur ungefähr bestimmt, wird die Vergütung nach dem Wert der Arbeit und den Aufwendungen festgesetzt (Art. 374 OR). Beim Kostenvoranschlag greift Art. 375 OR mit eigenen Folgen bei Überschreitung.
Was passiert, wenn ich den Kostenvoranschlag überschreite?
Wird ein Kostenvoranschlag unverhältnismässig überschritten, hat der Besteller ein Rücktrittsrecht; bei einem Bau auf seinem Grundstück kann er stattdessen eine Herabsetzung der Vergütung verlangen (Art. 375 OR). Wer „ca.“ schreibt und danach 40 Prozent mehr verlangt, landet genau dort.
Gilt die SIA 118 automatisch für meine Offerte?
Nein. Die SIA 118 ist kein Gesetz, sondern wird Vertragsinhalt — sie gilt nur, wenn sie mit dem Bauherrn vereinbart ist. Dann gelten daneben eigene Regeln für Ausmass, Nachträge und Rückbehalt.
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- Überstunden und Überzeit: welche Stunde 25 Prozent kostet
Überstunden regelt Art. 321c OR, sie sind wegbedingbar; Überzeit regelt das Arbeitsgesetz, sie ist es nicht. Beim Monteur beginnt sie bei 50 Wochenstunden, nicht bei 45.
- Offerte schreiben: was drauf gehört und wie lange sie bindet
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- Akontorechnung: ohne Abrede kein Anspruch — MWST ab Ausstellung
Nach Art. 372 Abs. 1 OR ist die Vergütung bei der Ablieferung des Werkes zu zahlen. Die MWST schuldest du schon mit der Ausgabe der Teilrechnung, nicht erst mit dem Zahlungseingang.
- SIA 118 gilt nur, wenn sie im Vertrag steht
Die Norm SIA 118 ist kein Gesetz: Sie wird erst verbindlich, wenn die Parteien sie im Vertrag vereinbaren. Dann gelten zwei Jahre Rügefrist statt 60 Tagen und 30 Tage Zahlungsfrist.
Quellen
- Art. 363 bis 379 OR — Der Werkvertrag, feste Übernahme und ungefährer Ansatz (geprüft: 21. September 2026)
- Art. 25 MWSTG — Steuersätze (geprüft: 21. September 2026)
- Art. 10 MWSTG — Grundsatz der Steuerpflicht, Befreiung unter CHF 100'000 (geprüft: 21. September 2026)
- Mehrwertsteuersätze — Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV (geprüft: 21. September 2026)